"Fifty Shades of Fucked Up"

14:50

"Why hasn't he given me back my panties? I steal into the bathroom, bewildered by my lack of underwear."
Endlich ist es so weit, ich habe mich nach langer Zeit endlich durch die 487 Seiten gekämpft und Fifty Shades oft Grey beendet. Warum habe ich das überhaupt gelesen? Naja, nicht aus Begeisterung, so viel ist klar.

Mir wurde vor einiger Zeit während einer Diskussion vorgeworfen, ich könne ja nicht meckern über etwas, das ich selbst nie gelesen/gesehen habe, und das stimmt eigentlich. Bevor man ordentlich in eine Diskussion einsteigen kann sollte man sich vernünftig informiert haben, damit man hinterher, wenn man das Buch mit voller Kraft in den Boden stampft, auch Textbelege hat.


I feel u, Bradley. Um das also direkt am Anfang klarzustellen: Fifty Shades of Grey hat mir nicht gefallen. Überraschend, ich weiß. Ich wette, das hat keiner kommen sehen.
Gründe dafür habe ich viele, man könnte fast so weit gehen zu sagen es gäbe... Fifty Reasons, harr harr. Kategorisieren wir das aber mal in Probleme mit dem Text, Probleme mit dem Inhalt und Probleme mit den Charakteren.

Ich habe das Buch in Originalsprache gelesen, denn ich lege sehr viel Wert darauf so was zu tun (wenn die Originalsprache Englisch ist). Selbst mir als Laie in dem Feld ist schon häufig aufgefallen, wie schnell der eigentliche Sinn verfälscht werden kann. Mir wurde mal versichert, dass sich der Schreibstil von Fifty Shades durch Übersetzung bedeutend verbessert hat, und ich möchte das glauben, aber auf Englisch ist er eine verdammte Katastrophe. Das Vokabular ist so einfach und beschränkt, Wortwiederholungen sind ein ständiger Begleiter, und die Beschreibungen, oh boy. Nicht nur, das die Protagonistin alle zwei Zeilen rot wird. Sie beißt sich auch ununterbrochen auf der Lippe rum und verdreht die Augen. Keiner tut das so oft! Und wenn sie dann ihren Angebeteten ins Bett bekommt variiert das auch zwischen ganz genauer Ortsbeschreibung des aktuellen Aufenthaltes seiner Finger bis hin zu "he touched me there". Where Ana?

Und was auch in diese Sparte zielt sind die ständigen E-Mail Konversationen. Ich verstehe dass der Eindruck vermittelt werden soll, dass Ana sozial unfähig ist und super schüchtern, weshalb sie sich nur elektronisch wirklich ausdrücken kann. Diese Feststellung kann man sowieso nicht umgehen, denn man wird mehrmals beim Lesen darauf aufmerksam gemacht, damit es ja auch der letzte noch kapiert. Aber das ändert nichts daran, dass sie den Lesefluss enorm auseinanderziehen und einfach faul wirken. Wenn man einfach E-Mails abdruckt muss man eben nicht weiter auf Mimik, Gestik und all solche total überflüssigen Beschreibungen eingehen. Andererseits wird Ana ja ohnehin immer nur rot und beißt sich auf die Lippe, also was erwarte ich eigentlich. Wenn sie dann allerdings mal den Mund aufmacht kommen eh nur solche Sachen raus wie 'Holy Cow'. Sehr Eloquenz, Ana. Wenn du schon Fluchen willst dann sag doch wenigstens Holy Crap, Bloody Hell oder Jesus Fucking Christ. Fluch richtig oder lass es sein, Mädchen.

(In diesem Zusammenhang möchte ich euch auch dieses Video ans Herz legen)

Weiter gehts mit der Story an sich, und ich fordere hier jeden heraus, mich vom Gegenteil überzeugen, aber dieses Buch ist verdammte Twilight Fanfiction. Ana hat genauso wenig Charakter wie Bella, dieser "verbotene" Unterton der Beziehung, Anas Familienverhältnisse, die Location, sogar Situationen und Konversationen! Christian rettet sie TOTAL ÜBERRASCHEND aus einer Art Fast-Vergewaltigung, und dann der Kommentar "You should stay away from me". Edward, anyone? Bloß das Twilight da tatsächlich einen Schritt realistischer war, denn Edward will sich immerhin von Bella fernhalten weil er ein Verdammter Vampir ist, Christian will Ana nur ein bisschen hauen. Und überhaupt, wo wir gerade beim Thema sind. Bella und Ana haben beide keine besonders einnehmenden Persönlichkeiten, und ich finde es unnachvollziehbar dass sich jemand auf den ersten Blick unsterblich in eine der beiden verlieben könnte, aber Edward steigt Bella immerhin nach, weil ihr Blut so gut riecht. Welchen Grund gibt es da bei Christian? Keinen. Es ist dieses typische Mary Sue Setting das mich so nervt...aber dazu später mehr.

Würde ich die Story mit einem Wort beschreiben wollen wäre das Wort widersprüchlich. Wahlweise auch unrealistisch, aber widersprüchlich trifft es einfach besser. Schon wenn man sich das erste Treffen zwischen Ana und Christian anschaut: Kate, die Freundin und Mitbewohnerin, ist eine super professionelle und engagierte Journalistin; keiner kann mir einreden dass sie nicht spontan 20 besser geeignete Leute hätte auftreiben können die sie zu einem Interview schicken könnte für das sie was, neun Monate? gekämpft hat. Und Ana im Gegenzug kam während der ganzen zwölf Stunden Zeit die sie hatte, sich mental auf dieses Interview vorzubereiten, nicht ein mal auf die Idee, genauere Informationen über den Kerl einzuholen? Würden wir die Geschichte tatsächlich einfach als Porno vermarkten wäre mir das noch egal, denn da ist es im Grunde egal wie an den Haaren herbei gezogen die Geschichte wirklich ist. Aber hier soll ich mit Ana und ihren Problemen sympathisieren, aber das fällt mir echt schwer wenn ich das alles ständig in Frage stellen muss.

Appropos mit Ana sympathisieren; wie soll man das bitte schön wenn sie keinerlei Ecken und Kanten hat? Das einzige was sie beherrscht ist Jammern Auf Hohem Niveau. Da ist ein heißer Kerl völlig grundlos scharf auf sie und sie lüüübt ihn ja so sehr, und er ändert sein Verhalten komplett für sie, gibt sich die Mühe des Jahrhunderts, bricht sämtlicher seiner selbsternannten Regeln, und trotzdem ist sie sich ununterbrochen am beschweren. Make up your mind, girl, gdi.
Und um auf den Kommentar bezüglich Mary Sue am Anfang zurück zu kommen. Wer nicht weiß. was genau das ist, Wikipedia definiert es folgender Maßen:
Es handelt sich um eine meist weibliche und oft sehr junge von der Autorin (seltener vom Autor) eingefügte Hauptperson, die mit höchst idealisierten Zügen und Charaktereigenschaften ausgestattet ist. Sie vertritt moderne Positionen und zieht in der Handlung das Interesse aller anderen Figuren auf sich. Selbstverständlich ist, dass sie alle auftauchenden Probleme bravourös löst und sich im Laufe des Abenteuers mehrere Figuren in sie verlieben.
 Mal ganz abgesehen von der Tatsache dass wir von Anas Charaktereigenschaften im Grunde nichts mitbekommen ist sie ein Paradebeispiel. Ich wette, am Ende der Trilogie hat sie Christian komplett "mental geheilt" und die beiden heiraten glücklich und zufrieden in seinem Hubschrauber/seinem Privatjet/seinem Kreuzfahrtschiff (kommt schon, ihr wisst er hat auch sowas). Was mich besonders stört ist das Ende. Sie will sich ganz und Christian einlassen, dann verprügelt er sie fett und sie rennt heulend weg. So weit, so gut, aber anstatt zu erkennen dass der Typ ein KRANKER PSYCHOPATH ist macht sie sich selbst Vorwürfe, ihm nicht geben zu können was er will. ??!!



Ich kann sie einfach nicht ernst nehmen. Und auch Mr Riesenpenis. Ich meine, er ist schon ein ziemlicher Arsch. Eine ganz fantastische Review die ihr unbedingt lesen solltet formuliert es sehr passend:
Think about all the things Christian Grey does in the book. Not just those supposed sweet things, but really, everything. His condescension, his control, his insane jealousy, his threats.....and now....imagine he looks like this:

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Genau. Schon gleich viel weniger heiß, was? Wir als Leser sollen zusammen mit Ana über sein furchtbares Verhalten hinweg sehen weil er ja auch so heiß ist. Deswegen ist es irgendwie okay? Bullshit.

So viele Dinge stören mich an diesem Buch, und die Review ist schon wieder viel zu lang, aber eine Sache noch abschließend: Ich gehe in Buchläden, sehe Fifty Shades im Bestsellerregal stehen, und mir kommt nur dieser eine Gedanke:

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3 intelligente Aussagen dazu.

  1. Vor allem der Schluss hat mich dazu gebracht laut los zu lachen - großartig!
    Bestärkt mich darin, das Buch nicht zu lesen. Mr. Riesenpenis und seine verprügelte Ische interessieren mich auch eh nicht allzu sehr.

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    1. Es tut aber auch weh. Am Anfang hatte ich die Hoffnung, das ich es auf die selbe Weise genießen kann wie einen schlechten Film; also einfach weil es so dermaßen vorhersehbar und schlecht ist dass man darüber schon lachen kann. Aber selbst das ging nicht. Herrje.

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    2. Das ist das Schlimmste. Wenn es schlecht ist und man nicht mal drüber lachen kann...

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