Outlander Buch-Review
08:00
Ich überlege jetzt seit Tagen, welche Wertung ich dem Buch
geben soll. Tatsache ist, dass es durchaus spaßig zu lesen war. Tatsache ist
allerdings auch, dass ich mich zwischendurch gelangweilt habe, und mehr als
einmal nicht in der Stimmung war zu lesen. Ich habe ziemlich parallel mit der
Serie angefangen und weiter gelesen, und dann kurz vor der Mid-Season
Unterbrechung aufgehört. Bis vor einer Woche habe ich es dann nicht mehr in der
Hand gehabt, habe es aber im Gegenzug innerhalb dieser Woche zu Ende gelesen.
Das Buch hat in mir widersprüchliches Leseverhalten hervorgerufen. Eigentlich
bin ich verleitet zu sagen, dass es sich gut lesen lässt. Immerhin habe ich
„kurz“ vor dem Ende gute 200 Seiten an einem Abend gelesen! Aber wenn ich
zurück denke erinnere ich mich vor allem auch an die vielen Längen – in meinen
Augen ziemlich unnötige, nichts zum Plot beitragende Szenen, oder exzessive
Wiederholungen. Es hat mir schon gefallen – wenn ich an das Buch denke ist mein
Gefühl positiv – aber ich kann nicht genau sagen warum eigentlich.
Auf den Plot bin ich ja in der Serienbeschreibung ziemlich
genau eingegangen, deswegen werde ich das hier nicht wiederholen. Bis jetzt
sieht es so aus, als wären Buch und Serie so deckungsgleich wie möglich. Ein
paar Szenen spielen sich zwar anders ab, aber wenn Sachen für die große oder
die kleine Leinwand adaptiert werden resultiert das nun mal in Veränderungen.
Allerdings gab es ja bisher nur eine halbe Staffel, und bei GoT sah es am
Anfang auch noch besser aus als später. Da ich mit der Serie angefangen habe
hatte ich natürlich keine Chance, mir das Aussehen der Charaktere selbst
auszumalen, aber ich finde das Casting eigentlich gelungen. Ich müsste dazu mal
meine Mum befragen, die ist immerhin Fan der ersten Stunde.
Und wo wir gerade bei dem Thema sind. Die Charaktere wirken
meiner Meinung nach in der Serie „schottischer“ als im Buch. Sind einfach
grummeliger, misstrauischer und unfreundlicher. Da ist jeder irgendwie „fies“
zu Claire, wogegen im Buch nur Murtaugh wirklich unfreundlich ist, und der
sticht deswegen raus. Gefallen hat mir auch der aufgeschriebene schottische
Akzent. Wenn man den schon mal gehört hat ist es leicht, eine schottische
Lesestimme zu entwickeln, und das hat mir irgendwie Spaß gemacht. Gleichzeitig
ist mir aber auch bei den vereinzelten Engländern eine prätentiösere
Sprechweise aufgefallen – die Wortwahl und das Vokabular insgesamt hat sich da
von der normalen Erzählstimme unterschieden.
Zur Protagonistin muss ich sagen, dass Claire mir am Anfang
nicht unbedingt sympathisch war. Bevor sie durch die Zeit reist wirkt sie sehr
oberflächlich und irgendwie nervig, was sich dann schnell ändert. Ich finde es
schön, dass sie so eine große Klappe hat und stur ist, und noch schöner, dass
sie sich deswegen tatsächlich manchmal in ziemliche Schwierigkeiten bringt. Es
wird nie so richtig Stellung bezogen, denn sie wird zwar grundsätzlich als
positiv porträtiert, aber deswegen nicht automatisch als perfekt. Trotzdem kann
sie jeder gleich gut leiden, und alle finden es irgendwie toll dass sie so eine
große Klappe hat und sich von den Männern nichts sagen lässt. Das ist zwar ein
typisches Trope, spricht aber wieder gegen historische Glaubwürdigkeit – sicher
findet das nicht jeder einzelne Schotte furchtbar attraktiv? Und auch über
Jaime muss ich ähnliches sagen. Natürlich wird er porträtiert als Mr McSexy;
total begehrenswert und wundervoll, aber auch er hat durchaus seine Schwächen.
Und die werden auch angesprochen, und nicht einfach übergangen, und führen
tatsächlich zu ernsthaften Streits der beiden; also realistischen Streits, und
nicht inhaltloser Unzufriedenheit. Trotzdem stehe ich nicht 100% hinter der
Beziehung der beiden. Meiner Meinung nach gab es da zu viel verschenktes
Konfliktpotenzial, besonders innerlichen Konflikt bei Claire, in deren Kopf wir
ja stecken. Sie hat sich das alles etwas einfach gemacht – auf der einen Seite
wird uns sehr deutlich klar gemacht, dass sie ihren Ehemann liebt, aber
trotzdem schmeißt sie sich Jaime ziemlich widerstandslos an den Hals. Irgendwie
ist vieles, was die Beziehung der beiden betrifft, schön geredet und
unrealistisch gut, aber es ist trotzdem nicht so schlimm, wie es sein könnte.
Ich war in einem ständigen Grauzonen-Zustand zwischen „Aaaw“ und „Urgh“.
Ich glaube, das hier ist ein 100% 5/10 Buch. Ich fand es
nicht schlecht, aber auch nicht gut, und ich werde die Reihe wohl eher nicht
weiter lesen. Immerhin kann ich ja die Serie verfolgen, das wird sicher weniger
anstrengend.


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