Tage 252-255: Edinburgh!
13:47Ein warmes Hallo von der Insel!
Mein Reisebericht über Edinburgh umfasst viele Bilder (courtesy of Katie, wie immer) und viel Text. Nur so als Warnung.
Also ich muss sagen, dieser Urlaub kam mir richtig gelegen! Der Stress hört und hört nicht auf, und wenn man dann mal über ein verlängertes Wochenende (dank Maifeiertag am Montag!) in Edinburgh entspannen kann, dann ist das ziemlich klasse. Also: Schottland, wir kommen!
Gebucht hatten wir die Ticktes ja schon vor drei Monaten, und dank Frühbucherrabatt und Railcard kamen wir beide mit ~45 (oder so) Pfund für Hin- und Rückfahrt weg. Ziemlich billig dafür, dass wir einmal hoch durch ganz England bis nach Schottland fahren und 4,5 Stunden unterwegs sind. Los gings in King's Cross, aber weder von Gleis 9 3/4 (2), noch um 11 Uhr (9), und unser Zug war auch keine rote Dampflock (grauer Schnellzug). Man kann zwar nicht alles haben, aber die Zugfahrt war wirklich richtig, richtig schön. Man hatte wirklich das Gefühl, langsam zusehen zu können, wie die Landschaft mit jedem Kilometer ein klein wenig wilder und älter wird. Wo am Anfang noch flaches Land und Städte dominierten tauchten plötzlich Hügel, Felder, Schafe, kleine knubbelige Mauern und Wälder (ja, Wälder!) auf. Gehalten haben wir in York (der Bahnhof war nicht so schön wie die Bilder auf englischen Plätzchendosen vermuten lassen), Darlington (was ist das eigentlich?), Newcastle (Mr Wickhams Regiment wurde da stationiert, wisst ihr noch? War schon ne Spur schöner als die beiden vorher) und Berwick-upon-Tweed. Besonders die letzte Stadt war super schön, aber vielleicht war auch einfach meine Laune zu dem Zeitpunkt so sehr oben weil kurz vorher aus dem Nichts plötzlich die Nordsee aufgetaucht war! Ohne Vorwarnung schaue ich aus dem Fenster und da liegt sie: Grau, ungemütlich, voller Algen und eisig kalt - kurzum wundervoll! Sicher kennt ihr alle das Gefühl, wenn man auf einmal das Meer sieht. Es hat so etwas melancholisches, ein Fernweh und gleichzeitig eine tiefe Ruhe. Meer, Leute! Meer!
Ziemlich pünktlich kamen wir dann um halb 2 in Edinburgh Waverley an, dem Bahnhof mitten in der Stadt und quasi direkt unterhalb des Schlosses. Leute die schonmal da waren (also Sandi, Mama, Papa und Ela) können mir jetzt hoffentlich ein wenig folgen in meiner Beschreibung. Aus dem Bahnhof raus liefen wir in Richtung des Scott Monuments, vorbei an der National Gallery und dann rauf auf die Royal Mile, denn unser Hostel lag nun wirklich direkt unterhalb des Schlosses. Wer findet es auf Bild 1?
Blick vom Schloss runter auf unser schönes Hostel, das Castle Rock. Richtig schön rustikales Teil mit Ritterrüstungen auf der Treppe! Beim einchecken wurde uns erklärt, dass die Räume alle Namen haben, und man uns – wartests ab! – ins Avengers-Zimmer einquartiert hatte. Katies Bett war Iron Man und meins war Thor, und schon an dieser Stelle hätte ich glücklich wieder nach Hause fahren können. Das konnte ja nur gut werden!
Nach dem Auspacken haben wir uns dann auf die Suche nach Amelie gemacht, die witziger Weise mit zwei anderen Freunden für das gleiche Wochenende einen Ausflug gebucht hatte. Gemeinsam mit ihr sind wir dann den Calton Hill heraufgewandert um eine erste richtige Aussicht über die Stadt zu bekommen.
Das war schon mal echt nicht schlecht, aber eins musste ich
mir wieder aufs Neue ins Gedächtnis rufen: Edinburgh ist verdammt zugig. Mal
abgesehen davon, dass alle britischen Städte irgendwie zugig sind verdoppelt
sich das nochmal, wenn man sich auf einem Berg an der Küste befindet. Aber
Calton Hill war noch gar nichts gegen Arthur’s Seat am Sonntag – aber dazu komme
ich noch!
Anschließend gings zurück auf den Castle Hill zur Scotch
Whiskey Experience – eine mehr oder weniger interaktive Tour zum Thema Whiskey
mit besonderem Augenmerk auf die Herstellung und die Geschichte. Die
verschiedenen Whiskeyarten aus Schottland wurden uns dann auch vorgestellt und
wir durften uns eine zum Probieren aussuchen. Ich hatte einen aus den Lowlands,
Katie und Amelie einen aus den Highlands. Meiner war besser. Netter Weise
durften wir dann sogar das Glas als Andenken behalten (Sieg!). Abgeschlossen haben wir den Tag dann mit einem netten Pub-besuch, denn wir hatten am Sonntag viel vor!
Angefangen haben wir mit einem Besuch des Schlosses - immerhin war das ja ganz in der Nähe. Dover ist schöner, aber das hier war auch nicht schlecht! Seht einfach selbst!
Blick auf den Calton Hill vom Schloss aus
Vom Schloss aus ging es dann die Royal Mile ganz runter zum
Holyrood-Park und dann auf der anderen Seite wieder rauf: Und zwar auf den 251
m hohen ehemaligen Vulkan Arthur’s Seat. Und ich sage es euch: Das war ganz
schön anstrengend! Auch wenn 251 m gar nicht sooo steil klingt; der Berg war
super steil! Schlimmer als unser Berg zuhause. Und wir haben spontan auch noch
den falschen Weg genommen, und nachdem wir die Hälfte der geplanten Höhe
erreicht hatten ging es plötzlich wieder bergab – Pech gehabt, der echte Weg
kommt erst noch. Und der kam in Form von ungleichmäßigen steilen zick-zack
Treppenstufen für mindestens 100 Meter. Aber der Aufstieg hat sich definitiv
gelohnt: Eine geniale Aussicht über Edinburgh und Umgebung (die beste bis
jetzt) und Windböen der Stärke 8, mindestens! Wir haben uns dann aber schnell
wieder vom Berg verabschiedet, denn in der Ferne hat es schon geregnet und
rutschiger Vulkanstein mit Regen ist eine Todeskombie.
Schaut mal wie motiviert wir sind! Vorkehrungen haben wir bezüglich der Haare auch schon mal getroffen, denn bei dem Wind...puuh. Auf diese Spitze wollten wir eigentlich drauf. Aber wenns noch höher hinaus geht...
Dieser Blick veranschaulicht ausgezeichnet meine Reaktion als ich festgestellt habe, dass man auf der anderen Seite wesentlich weniger anstrengend hätte hochlaufen können. Are you kidding me?
Und aus diesem Grund haben wir die Flucht ergriffen: Spontaner Nieselregen.
Und da man das Meer ja aus jeder Perspektive so richtig
schön sehen konnte mussten wir da natürlich auch mal hin! Der Teil der Strandes
ist etwas außerhalb von Edinburgh (aber auch kein Wunder, denn die Stadt ist
mini klein) und heißt Portobello. Die
Nordsee hatte gefühlte 4 Grad, aber das hindert mich nicht daran, mein typisches
Foto mit Füßen im Wasser zu machen – und dank A-England habe ich ja auch wieder
vernünftigen schwarzen Nagellack für meine Füßchen. Eine Weile sind wir
fröhlich herumgetollt, dann konnten wir besagte Füße nicht mehr spüren und
haben uns im Sand ausgeruht. Dank hier und da hervorblitzender Sonne war der
sogar relativ warm, und man hatte dann schon so richtig Urlaubsfeeling.
Es ging dann nochmal zurück ins Hostel und ein wenig ausruhen bevor wir dann zum Tagesabschluss im World’s End etwas trinken waren. Mitglieder meiner Familie dürften sich noch an diesen Pub erinnern; wir standen 2010 davor und haben drüber gelacht weil es uns an Fluch der Karibik erinnert hat.
Am Montag haben wir dann etwas länger ausgeschlafen und sind
anschließend herumgeschlendert, allgemeine Richtung war das Hard Rock Café.
Probleme das zu finden gab es keine, denn ich war ja schon mal da. Die
anschließende Jagd nach einem Deep-fried
Mars Bar, also einem frittierten Marsriegel, war dafür etwas komplizierter,
denn alle Läden die besagte schottische Spezialität verkaufen sollten waren zu –
alle bis auf einen am unteren Ende der Royal Mile. Hier haben wir dann
frittiertes Mars und frittierte Pizza gegessen. Von der Pizza würde ich abraten
(wer kam nur auf die Idee, Pizza zu frittieren???), aber das Mars sollte man
mal probieren! Schmeckt irgendwie wie Crêpe mit Kinderschokolade und scheint weit
weniger fettig als ursprünglich vermutet. Aber eine fiese Kalorienbombe ist es
ohne Frage, weswegen wir auch zu dritt einen gegessen haben!
Nach einem letzten Abstecher zum Holyrood Palace, der
schottischen Residenz der Queen, gings dann zurück zum Packen. Abends waren wir
dann nochmal schick italienisch essen und haben dann bei einer Open-Mic-Night
in einer irischen Kellerbar schottischen Cider getrunken und amerikanische
Countrymusik gehört. Da sage nochmal einer, wir wären nicht international!
Früh am Dienstagmorgen hieß es dann Goodbye, Edinburgh!, und
bei strahlendem Sonnenschein brachte der Zug und zurück nach King’s Cross. Ich
habe die insg. 9 Stunden Zugfahrt auch sinnvoll genutzt und nicht nur aus dem
Fenster gestarrt, deswegen könnt ihr gleich weiter zu meiner Review zu A Gameof Thrones! Falls nicht endet meine Erzählung hier trotzdem und ich hoffe, das
Lesen hat euch Spaß gemacht. Glückwunsch zu eurem Durchhaltevermögen und alles
Liebe,
Sandi


3 intelligente Aussagen dazu.
Ach, das klingt super! Freue mich, dass du so viel Spaß hattest. Aber ich muss schon sagen, ein bisschen viel Gemoser was dieses Hügelchen angeht- ich bin 32km in 3 Tagen und dann nochmal 42km in 2 Tagen gewandert, mit Backpack und Übernachtungen im Hut. Harden up, dude. Bist du ein Mann oder eine Maus?
AntwortenLöschenWar ja klar dass du mich wieder in den Boden stampfen musst, Brüderchen.
LöschenAlso das mit dem Avengers Zimmer ist schon wirklich passend! Super gut. Und das mit den Füßen im Meer hätte ich im Leben nicht durchgezogen... soooo kalt! Aber Hut ab. Und das mit der frittierten Pizza hätte ich dir auch vorher sagen können. Man sollte eben einfach nicht alles frittieren.
AntwortenLöschenIch glaube ich muss ganz dringend auch mal Irland, Schottland und England abklappern. Die ganzen Fotos sehen so schön aus!