Tag 363: Abenteuer in Shropshire

22:43

Hallo meine Lieben,

Seit gestern bin ich mit den Kids zu Besuch bei Saras Eltern in Telford, Shropshire. Shropshire ist eine hübsche Grafschaft in den Midlands; Birmingham und Wolverhampton sind ganz in der Nähe und im Westen grenzt sie an Wales. Ja, genau, nahe an Wales: Das heißt viiiiiel Grün! Aber fangen wir vorne an.

Gestern, also Donnerstag, sind wir um 3 nach 11 von Colchester aus mit dem Zug nach London gefahren. Von dort aus ging es von Euston aus nach Wolverhampton, und dann mit einem dritten Zug nach Telford. Die Strecke war weniger schön als die entlang der Ostküste nach Edinburgh, aber die ist ja immerhin auch für ihre Schönheit bekannt! In Telford hat uns dann Saras Mum Jay (eigentlich Jacqueline, aber wer will so schon heißen!) aufgesammelt und zu ihrem Haus gebracht. Mittlerweile war es kurz nach vier und alle waren ziemlich müde; viel los war dementsprechend nicht mehr. Wir lernten die neue Hündin der beiden kennen, einen Greyhound namens Frieda. Die arme war seit einer langen Zeit im Heim und wurde vorher vermutlich schlecht behandelt, weswegen sie jetzt extrem scheu reagiert; besonders aus Erwachsene. Mir als Mensch, der Hunden gegenüber grundsätzlich vorsichtig und zurückhaltend eingestellt ist kam das natürlich extrem zugute, denn wir konnten uns langsam aneinander gewöhnen, und ich wurde nicht direkt an- und umgesprungen und abgeleckt. Und was für eine liebe Frieda ist! Mit so einem Hund könnte ich glaube ich auch leben. Aber ich schweife ab!
Wir saßen ein bisschen zusammen im Garten und tranken Tee, wie sich das für echt Engländer zwischen vier und fünf Uhr Nachmittags gehört, und erzählten uns allerhand. Die beiden sind vom Typ her wie Ingi und Erich, wobei Philipp eindeutig noch grummeliger ist und Jay ein bisschen wie eine Mischung aus Ingi und Oma, aber ich mag sie wirklich sehr gerne! So richtig echte Engländer, mit gepflegtem Garten, eindeutigen Ansichten und Vorurteilen gegenüber Franzosen. Außerdem wird in diesem Haushalt tatsächlich von morgens bis abends Tee getrunken! Ich habe eine ganz großartiger Apparatur in meinem Zimmer: Einen Teekoch-Wecker. Man kann es abends befüllen und dann eine Uhr stellen, und dann fängt es morgens, sagen wir um 8, an, Tee zu kochen und macht laute Geräusche, sobald es fertig ist. Damit man den Tag direkt mit einer Tasse Tee starten kann! Verrückt, diese Engländer.Ansonsten gibts Tee zum Frühstück (normal), Tee zwischendurch (warum nicht), Tee zum Mittagessen (leicht merkwürdig), Tee am Nachmittag (unumgänglich!), Wein zum Abendessen und schließlich noch Tee beim abendlichen Zusammensitzen. Genau so wie man sich das vorstellt!

Nachdem ich also heute morgen von dem wunderlichen Teekocher geweckt wurde kamen auch schon die lieben Kinderlein herein, ebenfalls zum Wecken. Nach ein paar Guten-Morgen-Knuddeleinheiten haben wir dann gefrühstückt; Toast mit Marmelade und Cornflakes (also die Cornflakes seperat, nicht auf dem Toast). Innerlich musste ich lachen als Jay mich fragte, ob ich Marmelade oder Jam bevorzuge; denn es hat mich an unser 5.-Klasse-Englischbuch erinnert. Bei den Jacks heißt alles Jam, aber es gibt ja da den kleinen, feinen Unterschied. Anschließend sind wir mit dem Hund spazieren gegangen und ich habe endlich, nach 363 Tagen, ordentlichen Wald gefunden! Das war wirklich klasse. Nach einem ausgedehnten auf-und-ab über Stock und Stein haben wir Brombeeren vom Wegrand gepflückt und sind dann über alte, verostete Zugwagons geklettert. Dann sind wir alten Gleißen gefolgt und haben Indianer gespielt, und ich sage euch: Das war ein echter Spaß. Wie sehr es mich gefreut hat, mit den Kids endlich mal in meinem Element unterwegs zu sein, und nicht von Straßen eingeschlossen und ständig nervös! Mit stolz kann ich berichten, dass beide am Ende des 2,5-stündigen Spaziergangs nicht nur ordentlich erschöpft waren, sondern auch vernünftige Kratzer an Händen und Schienbeinen hatten! Beweisbilder von unserem Abenteuer besorge ich sobald wie möglich von Jay.
Nachmittags waren wir dann in Telford auf einem riesen Spielplatz im Park, denn Philipp hatte einen Arzttermin und die beiden haben uns da kurzerhand rausgeschmissen. Kein Wunder also, dass Issy eben innerhalb von drei Minuten tief und fest einegschlafen war! So viel Aufregung und Herumgetolle haut jeden um.

Morgen soll es leider regnen, deswegen werden wir es wohl etwas ruhiger angehen lassen, aber Sonntag oder Montag wollen wir zu den Breacon Beacons, einem Haufen der höchsten Hügel in Wales (denn echte Berge haben die ja keine. Vergleiche folgenden Film, den ich unbedingt empfehle!) Haltet also wie immer die Ohren steif für weitere Abenteuer aus dem tiefen England!

Eure Sandi

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1 intelligente Aussagen dazu.

  1. Das klingt echt klasse, so schön englisch! Und der Teekoch-Wecker ist ja wohl mal supercool!!

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